Visionäres H2-Netz

Vor dem Hintergrund des steigenden Interesses an Wasserstoff in der Energieversorgung haben die Fernleitungsnetzbetreiber im Januar 2020 erstmalig ein mögliches Zukunftsbild für ein Wasserstoffnetz (H2-Netz) in Deutschland vorgestellt.

Zur Umsetzung der Nationalen Wasserstoffstrategie müssen Unternehmen und Verbraucher die Sicherheit haben, dass die Wasserstoffversorgung und der -transport sichergestellt sind.

Die Fernleitungsnetzbetreiber sind überzeugt, dass die entsprechende Infrastruktur aus dem bestehenden Erdgasnetz entwickelt werden kann, öffentlich zugänglich und reguliert sein sollte. Die Planung dieser Netze muss integriert und darf nicht losgelöst von der Gas- aber auch Stromnetzplanung erfolgen, um einen volkswirtschaftlich effizienten und gesellschaftlich akzeptierten Energietransport sicherzustellen.

Die Karte stellt ein erste Vision eines solchen überregionalen „visionäre“ H2-Netzes dar. Mit den dargestellten Leitungen werden Wasserstofferzeugung und Wasserstoffverbrauch unter Nutzung überwiegend existierender Erdgasinfrastrukturen (zu über 90 Prozent) verbunden. Dieses H2-Netz umfasst eine Gesamtlänge von rund 5.900 km.

Grundlagen dafür waren eine Studie zur Regionalisierung von Wasserstofferzeugung und -verbrauch bei der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft mbH (FfE), die die FNB in Auftrag gegeben haben. Danach sind die potenziellen inländischen Erzeugungsschwerpunkte von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien zukünftig überwiegend in den Regionen Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zu erwarten.

Die FNB haben zudem eine Marktabfrage für derzeit in der Entwicklung befindlicher Grüngasprojekte durchgeführt. Im Ergebnis wurden 31 Projekte, darunter überwiegend Wasserstoffprojekte, in den industriellen Verbrauchszentren gemeldet.

In Reichweite des H2-Netzes befinden sich:

  • Kavernenspeicherstandorte für die potenzielle Nutzung als Wasserstoffspeicher zum Ausgleich von Wasserstoffverbrauch und Wasserstofferzeugung bzw. Importen
  • industrielle Verbraucher wie Stahlproduktion, chemische Industrie, Raffinerien und vom Kohleausstieg betroffene Regionen sowie die heute schon bestehenden lokalen Wasserstoffnetze
  • große Ballungsräume, die durch Beimischung von Wasserstoff in die dortigen regionalen Verteilernetze, CO2-Minderungen im Wärmesektor realisieren können
  • ca. 80% des deutschen Fahrzeugbestandes und ein Teil des nicht elektrifizierten Schienenverkehres, um damit einen Beitrag zur Verkehrswende zu ermöglichen
  • Regionen mit hohem Aufkommen erneuerbarer Energien zur Wasserstofferzeugung
  • mögliche Importstandorte für Wasserstoff

Die Umsetzung erster Wasserstoffprojekte (z.B. Reallabore als Keimzelle einer Wasserstoffwirtschaft) sind bereits bis 2025 vorgesehen. Diese lassen sich mit den ersten Realisierungsschritten des H2-Netzes verbinden.

Das H2-Netz ist technologieoffen. Es kann sowohl grünen Wasserstoff aus den Regionen mit hoher Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien z.B. in Nord- und Ostdeutschland als auch importierten klimaneutralen Wasserstoff, der über Pipelines oder Tankschiffe nach Deutschland kommt, aufnehmen.

Der Aufbau des H2-Netzes wird räumlich vermutlich von Norden nach Süden erfolgen, da die potenziellen Quellen und Speicherstandorte für Wasserstoff ganz überwiegend nördlich der Mainlinie liegen. Der Ausbau in Richtung Süden wird sich zu den großen Verbrauchsschwerpunkten hin entwickeln.

Durch die Verbindung des H2-Netzes mit Wasserstoffinfrastrukturen in unseren europäischen Nachbarländern, ist der europaweite Austausch von Wasserstoff bereits zu einem frühen Zeitpunkt möglich.

Die FNB entwickeln dieses visionäre H2-Netz auf Basis neuer Erkenntnisse weiter.

Downloads

Erläuterungen zur visionären H2-Karte
PDF / 275 kB
Karte Vision H2-Netz
JPEG / 312 kB
Explanatory Note
PDF / 281 kB
H2-Vision NEP 2020
JPG / 301 kB

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