Energiesystem

Ambitionierte Klimaschutzziele sind ohne Moleküle nicht erreichbar.

Die „Energiewende“ ist ein Generationenprojekt, das auf ein treibhausgasneutrales Energiesystem abzielt. Bis 2030 sollen 65 Prozent CO2-Einsparungen im Vergleich zu 1990 erreicht werden. Im Jahr 2045 soll Deutschland klimaneutral sein und ab 2050 sollen die Emissionen negativ werden. Erreicht wurden im Jahr 2020 circa 40 Prozent. Der Umbau der deutschen (Energie-)Wirtschaft muss also wesentlich schneller erfolgen muss als bisher. Neben dem Ausbau der Erzeugungskapazitäten für erneuerbare Energien, sind der Um- und Ausbau der bestehenden Energieinfrastruktur sowie der Anwendungstechniken beim Endverbraucher erforderlich. Schnelle und nachhaltige CO2-Reduktionen lassen sich volkswirtschaftlich effizient nur durch einen Mix von Technologien und grüner Energie in Form von Elektronen und Molekülen erreichen. 

Für die Akzeptanz der Energiewende und den Wirtschaftsstandort Deutschland ist es wichtig, dass die Transformation des Energiesystems ohne gravierende Strukturbrüche gelingt. Dazu kann die Gasinfrastruktur den entscheidenden Beitrag leisten, da sie für alle gasförmigen Energieträger gleichermaßen nutzbar ist. Für bestimmte Industrien (z.B. Stahl, Raffinerie, Chemie) ist die Nutzung gasförmiger Energieträger (wie z.B. Wasserstoff) unabdingbar, um ihre Prozesse zu dekarbonisieren. Im Wärmemarkt, wo heute circa 70 Prozent der verbrauchten Energie Moleküle ausmachen, ist die Weiternutzung gasförmiger Energieträger die Voraussetzung für eine kostengünstige und sichere Energieversorgung. Der in der heutigen Gasinfrastruktur transportierte Energieträger Erdgas wird nach und nach durch grüne Gase wie Wasserstoff, Biomethan oder synthetisches Methan ersetzt. Auf diese Weise ist eine klimaneutrale Gasversorgung aller angeschlossenen Verbraucher möglich.

Gasinfrastruktur als Garant für Flexibilität, Speicherung und Transport für erneuerbare Energien

Das existierende Gasnetz transportiert heute fast doppelt so viel Energie wie das Stromnetz. Außerdem wurde es als Transit- und Importnetz geplant. Durch seine hohe Gesamttransportkapazität ist der Energietransport im Gasnetz kosteneffizienter als über das Stromnetz.

Auch mit Blick auf die Energiespeicherung bietet das Gasnetz wichtige Voraussetzungen für das Gelingen der Energiewende. Aufgrund der volatilen Produktion von Windkraft- und Photovoltaikanlagen ist eine Zwischenspeicherung von Strom unabdingbar, da ansonsten Deutschlands Potentiale zur erneuerbaren Stromerzeugung nicht ausgeschöpft werden können. Auf der Stromseite sind langfristig absehbar keine signifikanten Langzeitspeicherpotentiale zu erwarten. Mit Hilfe der Gasinfrastruktur hingegen kann allein in den deutschen Gasspeichern die Energie für einen signifikanten Teil des deutschen Jahresstrombedarfs langfristig gespeichert und bei Bedarf wieder flexibel und an jedem Ort bereitgestellt werden. Das vermeidet Abregelungen von Produktionsanlagen und unnötige Stillstandkosten und schafft Flexibilitäten für das Stromnetz.

Mit der Verschärfung der Klimaschutzziele und den damit verbundenen Ausbauzielen für erneuerbaren Strom wird die Lage beim Stromtransport durch die Verzögerungen beim Netzausbau noch angespannter. Der Transport des erneuerbar erzeugten Stroms als Wasserstoff über eine Wasserstoffinfrastruktur ist daher eine kosteneffiziente und notwendige Ergänzung. Eine mittelgroße Wasserstoffleitung entspricht etwa vier HGÜ-Leitungen. Das ermöglicht einen schnelleren Ausbau und die breitere Nutzung von erneuerbaren Energien. Die Gasinfrastruktur kann die dauerhaften Energiebedarfe der Industrie deutschlandweit und standortunabhängig bedienen, das Stromsystem um die saisonalen Winterspitzen im Wärmemarktbestand entlasten und gleichzeitig Gaskraftwerke und KWK-Anlagen beliefern, um z.B. bei Dunkelflauten die Versorgungssicherheit durchgängig zu gewährleisten.

Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur als Rückgrat einer Wasserstoffwirtschaft

Allein durch erneuerbaren Strom bei der Endverbraucheranwendung sind die Klimaschutzziele also nicht erreichbar. Deshalb wurden in der Nationalen Wasserstoffstrategie (NWS) Maßnahmen vorgestellt, die den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft begünstigen sollen. Dazu zählen sowohl der Ausbau von Kapazitäten großtechnischer Power-to-Gas Anlagen zur Produktion von Wasserstoff aus erneuerbarem Strom als auch der Import von Wasserstoff aus Drittländern und der Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur. Die überregionale Verbindung zahlreicher in- und ausländischer Produktionsstandorte für Wasserstoff mit den industriellen Verbrauchszentren einerseits aber auch die Bereitstellung des Wasserstoffs in der Fläche schaffen die Voraussetzungen für eine sichere Wasserstoffversorgung in Deutschland.

Die FNB können die dafür erforderliche Wasserstoffinfrastruktur als Rückgrat einer wettbewerbsfähigen Wasserstoffwirtschaft zum überwiegenden Teil durch Umstellungen aus dem heutigen Erdgasnetz heraus volkswirtschaftlich effizient entwickeln. Voraussetzung dafür ist ein verlässlicher Regulierungsrahmen, der das Wasserstoffnetz und das Erdgasnetz regulatorisch, finanziell und netzplanerisch als Einheit betrachtet und unnötige und hinderliche Abgrenzungen vermeidet. Ein derartiger einheitlicher Regulierungsrahmen ist geeignet um die sukzessive, bedarfsgerechte und effiziente Umstellung der existierenden Gasinfrastruktur sicherzustellen.

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