Vorsorge für den Krisenfall

Die Ereignisse in der Ukraine haben uns alle geschockt. Es versteht sich von selbst, dass die Politik jetzt alles daran setzen muss, den Krieg so schnell wie möglich zu beenden und Russland zurück an den Verhandlungstisch zu bringen.

27. Juli 2022 – Die FNB bestätigen, dass die Gasflüsse über die Nord Stream 1 seit heute Morgen auf 20% reduziert wurden. Derzeit ist die Transportverfügbarkeit in Deutschland nicht beeinträchtigt. Die Situation wird auf Ebene der Netzbetreiber fortlaufend auf nationaler und europäischer Ebene überwacht. Zudem stehen wir über das Krisenteam der Bundesregierung in engem Austausch mit den Behörden.  

Aktuell sind die Netze stabil ohne die Notwendigkeit zum Engpassmanagement (Maßnahmen zur Sicherung der Netzstabilität) durch die FNB. 

21. Juli 2022 – Seit heute Morgen beobachten die FNB, dass es wieder Gasflüsse über die Nord Stream 1 gibt. Die Höhe der Gasflüsse ist auf dem Niveau wie vor der Wartung.

Aktuell gibt es keine Einschränkungen der Lastflüsse in Deutschland. Die Situation wird fortlaufend auf nationaler und europäischer Ebene überwacht. 

11. Juli 2022 – Am 11. Juli 2022 haben die jährlichen Wartungsarbeiten an der Nord Stream 1 Pipeline, die russisches Erdgas durch die Ostsee nach Deutschland bzw. Europa transportiert, planungsgemäß begonnen. Die aktuellen Wartungsarbeiten waren langfristig öffentlich angekündigt. Sie sind entlang der gesamten Transportkette (Transportnetzbetreiber und nachgelagerte Verteilnetzbetreiber) abgestimmt, um die notwendigen Stillstandszeiten der Transportpipelines zu minimieren. Wartungsarbeiten dieser Art sind gesetzlich vorgeschrieben und werden durch das technische Regelwerk konkretisiert.   

Die Fernleitungsnetzbetreiber beobachten kontinuierlich die Gasflüsse im deutschen Netzgebiet und stehen auch mit den anderen europäischen Netzbetreibern im Austausch. Aktuell gibt es keine Einschränkungen oder Besonderheiten der Lastflüsse im Zusammenhang mit den Wartungsarbeiten der Nord Stream. Die Netze sind ausbilanziert. Wir beobachten einen Rückgang der Einspeicherungen. Die übrigen Importe sind konstant hoch. 

Die Mitgliedsunternehmen des FNB Gas sind für den Gastransport in Deutschland zuständig. Nord Stream AG gehört nicht zu unseren Mitgliedsunternehmen. 

23. Juni 2022 – Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz am 23. Juni 2022 die 2. Stufe des Notfallplans Gas, die sogenannte Alarmstufe ausgerufen. Die Ausrufung der Alarmstufe ist vorgesehen, wenn eine erhebliche Verschlechterung der Versorgungslage befürchtet wird. Die Gasflüsse aus Russland haben in den vergangenen Wochen kontinuierlich abgenommen, damit ist eine „erhebliche Verschlechterung der Gasversorgungslage“ nicht auszuschließen.  

Die Fernleitungsnetzbetreiber haben einen Transportauftrag. Wir tun alles dafür, um auch im aktuellen Marktumfeld eine hohe Transportverfügbarkeit und die Systemstabilität sicherzustellen. Dazu ergreifen wir marktbasierte Maßnahmen gem. 16. Abs. 1 EnWG (z.B. Abschaltung unterbrechbarer Lasten, Einsatz von Netzpuffer aus großen Leitungen), die in der jeweiligen Versorgungssituation notwendig sind. Derzeit sind alle Netze ausgeglichen und es bestehen keine Transportprobleme.

31. März 2022 – Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat am 30. März 2022 die Frühwarnstufe Gas ausgerufen. Die FNB halten die Ausrufung der Frühwarnstufe für angemessen und sinnvoll, um zu gewährleisten, dass Notfallprozesse frühzeitig etabliert und im Vorfeld getestet werden, um im Krisenfall schnell, koordiniert und zielgerichtet zu reagieren. Die FNB sind gemäß Notfallplan Gas Mitglieder im Krisenteam und stehen in engem Austausch mit den Behörden.

Die FNB arbeiten seit Beginn der Krise daran, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Das betrifft bspw. Analysen im Rahmen der Netzplanung, den Einsatz von Regelenergieprodukten, die Beobachtung von Lastflüssen sowie die Einrichtung von Krisenstäben in den Unternehmen.
Inga Posch, Geschäftsführerin FNB Gas

Aktuell beobachten wir keine Einschränkungen der Lastflüsse. Die Situation wird fortlaufend auf nationaler und europäischer Ebene überwacht. Wir weisen darauf hin, dass im Krisenfall eine abgestimmte europäische Vorgehensweise notwendig ist.

Der Notfallplan Gas sieht drei Stufen vor (Frühwarnstufe, Alarmstufe und Notfallstufe). Erst in der dritten Stufe entscheidet der Bundeslastverteiler (BNetzA) darüber, welche Kunden vorrangig weiter zu versorgen sind. Zu den sogenannten geschützten Kunden gehören Haushalte, soziale Einrichtungen wie etwa Krankenhäuser, und Gaskraftwerke, die zugleich auch der Wärmeversorgung von Haushalten dienen.

Im Rahmen der Frühwarnstufe veröffentlicht die Bundesnetzagentur täglich Informationen zur aktuellen Lage der Gasversorgung in Deutschland.

Abhängigkeiten reduzieren

23. März 2022 – Der Koalitionsausschuss der Bundesregierung hat im Rahmen des Entlastungspakets II Maßnahmen beschlossen, um die Abhängigkeit von russischem Erdgas zu reduzieren.

Es ist richtig, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um die Abhängigkeit von russischem Erdgas zu verringern. Dieser Umstieg sollte auf drei Säulen stehen: die Diversifizierung der Bezugsquellen von Erdgas z.B. durch LNG-Importe, den beschleunigten Markthochlauf von klimaneutralen Gasen und den beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung. Auf keine dieser Säulen können wir verzichten, wenn wir in dieser Situation und langfristig Versorgungssicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes Deutschland erhalten wollen.

Voraussetzung dafür sind ambitionierte Ziele für den Einsatz klimaneutraler Gase (Wasserstoff, Biomethan und synthetischem Methan) analog zu den Zielen für den Einsatz erneuerbaren Stroms. Mit der Einführung einer Quote für klimaneutrale Gase könnte auf Basis eines marktwirtschaftlichen Instruments die Substituierung von Erdgas schnell vorangetrieben werden.

Insbesondere muss die Umstellung von Erdgas auf Wasserstoff jetzt endlich mehr Fahrt aufnehmen. Die Gasnetzbetreiber stehen bereit, ihre Infrastruktur auf Wasserstoff umzustellen. Regulatorische Hürden, die nach wie vor einer schnellen Umstellung der Erdgasinfrastruktur entgegenstehen müssen abgebaut und Anreize für den Markthochlauf geschaffen werden.

Allein der Einsatz von erneuerbarem Strom bei der Endverbraucheranwendung wird nicht genügen, um unsere Abhängigkeit zu reduzieren, die Wirtschaftskraft zu erhalten und gleichzeitig Klimaschutzziele zu erreichen. Eine einseitige Ausrichtung der Energieversorgung auf erneuerbaren Strom würde zudem neue Abhängigkeiten schaffen und die Dekarbonisierung deutlich verlangsamen, zumal die Stromübertragungsinfrastruktur absehbar nicht auf eine umfassende Elektrifizierung aller Verbrauchssektoren ausgelegt ist.

Nur die Kombination von grünem Gas und grünem Strom wird die Energieversorgung in Deutschland auch in Zukunft sicher und bezahlbar machen. Alle Maßnahmen sollten sich jetzt darauf konzentrieren.

News

Alle News ansehen